Kleiner Exkurs zum Thema Lampenfieber

Eine akute Stressreaktion des Körpers auf eine Auftrittssituation ist das sogenannte Lampenfieber. In seinem ursprünglichen Sinn bedeutet es die Erhitzung des Schauspielers auf der Bühne durch die Bühnenbeleuchtung. Landläufig versteht man aber das beklemmende Gefühl oder auch die Angst, die Menschen vor einem Auftritt haben. Es gibt ein wunderbar treffendes Zitat von Mark Twain zu dieser Situation: „Das menschliche Gehirn ist eine großartige Sache. Es funktioniert vom Moment der Geburt an – bis zum Zeitpunkt, wo Du aufstehst, eine Rede zu halten.“

Der Körper reagiert mit typischen Stressreaktionen: In der Nebennierenrinde werden Adrenalin und Noradrenalin in hoher Dosis ausgeschüttet – eine Reaktion aus der Zeit, in der Menschen noch vor gefährlichen Tieren flüchten oder sich zur Wehr setzen mussten. Die Teilnehmer eines Workshops zu attackieren oder die Flucht zu ergreifen, sobald die Zuhörer den Konzertsaal betreten, ist aber wenig förderlich für uns.
Als Symptome des Lampenfiebers können – mehr oder weniger ausgeprägt – folgende körperliche Reaktionen auftreten: Herzrasen, Rot werden, Schweißausbrüche, Verdauungsstörungen, plötzlicher Harndrang, zittrige oder feuchte Hände, trockener Mund, weiche Knie, Stottern, flache Atmung, Kloß im Hals, Schlafstörungen, Blackout.
Andererseits hat Lampenfieber auch durchaus ein paar Eigenschaften, die wir positiv zur Gestaltung unserer Veranstaltung einsetzen können. Denn die Adrenalinausschüttung im Körper macht uns auch hellwach, steigert das Leistungsvermögen, stärkt die Konzentration, gibt Kraft und kann wie ein Aufputschmittel wirken.
Auch hier gilt wieder: Ein bisschen Lampenfieber ist durchaus positiv zu bewerten und kann sogar dazu beitragen, unsere Darbietung besser zu gestalten. Ein zu viel an Lampenfieber kann aber für unseren Auftritt fatale Folgen haben.

Oft verstecken sich hinter dieser akuten Stressreaktion aber negative Glaubenssätze. Ich möchte ein paar typische Beispiele hierfür geben – die Liste kann beliebig erweitert werden: Ich genüge nicht; Ich muss immer perfekt sein; Mein Wissen reicht nicht aus; Ich habe Angst Fehler zu machen; Andere sind viel besser.
Ich kann Sie nur ermuntern, auf die Suche nach Ihrem persönlichen negativen Glaubenssatz oder Glaubensätzen zu gehen. Denn in dieser Ursache der Auftrittsangst steckt schon das wichtigste Heilmittel für das Lampenfieber: Machen Sie sich frei von Ihren persönlichen negativen Glaubenssätzen und dem Leistungsdruck! Werden Sie sich bewusst, dass Sie Fehler machen dürfen, denn das ist menschlich. Ein Fehler ist ein Hinweis, wo Verbesserungspotenzial vorhanden ist. Von uns Vortragenden wird ein Fehler meist als gravierend angesehen – aber nimmt das Publikum den Fehler denn überhaupt wahr? Meist kaum. Und gab es nach einem Fehler, der Ihnen während eines Vortrages oder Konzert unterlaufen ist, eine wirklich schlimme Folge für Ihr Leben?
Wenn Sie es also schaffen, mit einem gewissen Altruismus an die Auftrittssituation heran zu gehen, wird Ihnen der Umgang mit Lampenfieber deutlich leichter fallen. Vorausgesetzt natürlich, Sie sind entsprechend gut vorbereitet!

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