KOMPONISTINNEN VORGESTELLT: MEL BONIS

„Ich hätte nie geglaubt, dass eine Frau fähig ist, so etwas zu schreiben. Sie kennt alle Tricks unseres Handwerks.“ Camille Saint-Saëns über Mel Bonis

Das Leben von Mel Bonis – eigentlich Mélanie Bonis – war geprägt von der Zerrissenheit zwischen ihrem künstlerischen Schaffen und ihrer traditionellen Rolle als Frau und Mutter.
Sie wurde in einen kleinbürgerliche, Pariser Familie geboren, die keinerlei Verständnis für ihre musikalischen Ambitionen hatte. Sie hat sich das Klavierspiel zunächst autodidaktisch beigebracht. Nachdem sie César Franck vorgestellt wurde, sorgte dieser dafür, dass sie eine fundierte Ausbildung am Pariser Conservatoire erhielt. Hier studierte sie u.a. mit Claude Debussy zusammen. Sie erhielt einige Preise für ihre außerordentlichen Leistungen. Als sie dort den Gesangsstudenten Amédée Hettich kennenlernte, zwang sie ihre Familie das Studium abzubrechen. Sie wurde mit dem 22 Jahre älteren und verwitweten Industriellen Albert Domange vermählt, der bereits 5 Kinder in die Ehe einbrachte. Sie brachte insgesamt 4 Kinder zur Welt, wobei das letzte Kind aus der wieder aufgeflammten Beziehung mit Amédée Hettich stammte und versteckt aufwachsen musste. Dies belastete Mel Bonis, die stark religiös katholisch geprägt war, sehr.

Durch die Beziehung mit Amédée Hettich inspiriert und von ihm ermuntert begann Mel Bonis sich wieder mit der Musik zu beschäftigen. Es entstanden insgesamt ca. 300 Werke von leichten Stücken, Kinderstücken, kammermusikalischen Werken bis hin zu mystischen Gesängen und großen Besetzungen. Auch stilistisch ist ihr Werk von großer Vielfalt, spielt mit Rhythmus und Harmonien und weist Elemente von Impressionismus und Orientalismus auf.
Der Schweizer Musikforscher Walter Labhart hat über sie geschrieben: „Was sie an musikalischen Werken hinterließ, zeugt von einer großen melodischen Begabung und von einem Naturell, das sich zu konzentrieren verstand und lange an Stücken herumfeilte, die dann infolge ihrer Mischung aus Formvollendung und zarter Expressivität, von instrumentaler Brillanz und fein abgestufter Klangkultur zum Bedeutendsten gehören, was kurz vor oder nach der Wende zum 20. Jahrhundert von komponierenden Frauen geschaffen wurde.“
Mel Bonis wurde von ihren Kollegen und auch von den Interpreten ihrer Zeit sehr geschätzt. Sie erhielt mehrere Auszeichnungen für ihre Kompositionen und wurde von den großen französischen Verlagen verlegt.

Nach dem ersten Weltkrieg und dem Tod ihres Mannes zog sie sich jedoch immer mehr zurück. Die gesellschaftlichen und künstlerischen Umbrüche in dieser Zeit blieben ihr fremd und auch ihr gesundheitlicher Zustand wurde immer schlechter, so dass sie ihre letzten 15 Jahre leidend und isoliert verbrachte. Nichtdestotrotz komponierte sie auch in dieser Zeit, hatte aber keine Kraft mehr, um diese Werke zu veröffentlichen oder aufführen zu lassen. Die Werke dieser Zeit, so z.B. ihre Messe wurden erst rund 60 Jahre nach ihrem Tod wiederentdeckt und aufgeführt.

Bei unserer kleinen Konzertreihe zum 100jährigen Jubiläum des Frauenwahlrechts spielen wir zwei Werke von Mel Bonis: Ihr „Pièce“ op. 189, das vermutlich in der Schaffensperiode um 1900 entstanden ist und das „Scherzo (Final)“ op. posthum 187, das wahrscheinlich der Schlusssatz einer verschollenen Suite ist.
Das letzte Konzert unserer Konzertreihe findet morgen Abend, am 14.02.2019 um 20 Uhr im Kulturzentrum Englische Kirche in Bad Homburg statt. Wir freuen uns, euch dort begrüßen zu können!

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