Mentale Vorbereitung auf Auftritt – Vortrag oder Konzert 2

2. Visuelle Übungen
Jeder Mensch ist individuell geprägt. Es gibt Menschen, die eher visuell, andere, die eher auditiv und wiederum andere, die eher kinästhetisch ausgerichtet sind. Je nach Ausrichtung empfiehlt es sich, unterschiedliche Verfahren in der mentalen Vorbereitung eines Auftritts einzusetzen. Heute lernt ihr ein paar sehr effektive Methoden für visuell veranlagte Menschen kennen

Die visuelle Affirmation
Für die visuelle Affirmation ist wichtig, sich die Auftrittssituation so genau wie möglich vorzustellen und sie so positiv wie möglich in der Vorstellung zu gestalten. So ist es sinnvoll, sich möglichst genaue Informationen über den Auftrittsort zu verschaffen. Also: googlen nach Bildern des Veranstaltungsorts, Informationen nach der Bestuhlung einholen, ob ggf. eine Bühne aufgebaut ist oder ob man in einer Ebene mit dem Publikum auftreten wird – und natürlich auch, ob man mit Mikrophon sprechen oder spielen wird. Nun stellt man sich den Raum mit allen Einzelheiten genau vor und sich selbst, wie man vor dem Publikum ruhig und gelassen sitzt oder steht, zum Publikum spricht oder spielt und das Publikum positiv reagiert – beispielsweise lächelt oder zustimmend mit dem Kopf nickt oder zum Abschluss begeistert applaudiert. Die Situation sollte so genau wie möglich bildhaft vorgestellt werden. Auch kleine Details sind dabei zu berücksichtigen, wie z.B. das Verstellen der Klavierbank auf die richtige Sitzhöhe oder das Blättern in den Noten, das Zeigen von Headlines mit dem Pointer etc. So detailreich ausgestaltet kann man sich gut mit der bevorstehenden Auftrittssituation vertraut machen. Durch die Visualisierung der positiven Reaktionen des Publikums gelingt es, die Auftrittssituation in einem positiv besetzen Kontext zu erleben und so sich positiv auf die Situation einzustellen.

Der Spiegel-Event
Diese Übung ist hervorragend dazu geeignet, das eigene Selbstbewusstsein nachhaltig zu stärken. Ein größeres Selbstbewusstsein hilft dabei, Auftrittssituationen besser zu bewältigen und die negativen Stressreaktionen vor einer Veranstaltung zu reduzieren. Mit dieser Methode wird der innere Fokus auf die eigenen Stärken und weg von den Unzulänglichkeiten gelenkt, die bei einem nicht so ausgeprägten Selbstbewusstsein immer deutlicher wahrgenommen werden als die positiven Aspekte der eigenen Persönlichkeit. Beim Spiegel-Event machen wir folgendes Ritual jedes Mal, wenn wir uns im Spiegel oder auch z.B. gespiegelt in einem Schaufenster sehen: Wir nehmen uns bewusst wahr, lächeln uns an und sagen laut – falls wir in Begleitung sein sollten, denken wir den Satz: „Ich bin okay und es ist gut so, wie ich bin.“

Die Taschenspiegel-Methode
Diese Methode ist dem Spiegel-Event sehr ähnlich, aber für die direkte Vorbereitung unmittelbar vor dem Auftritt gut geeignet. An einem ruhigen Ort, beispielsweise in der Garderobe, setzen Sie sich vor einen Spiegel oder nehmen den Taschenspiegel, lächeln sich an und sagen zu sich selber: „Ich freue mich auf die bevorstehende Situation und genieße mein souveränes Auftreten.“ So mental auch durch das eigene Lächeln gestärkt, verliert der bevorstehende Auftritt deutlich an Stresspotenzial.

Magic Words
Grundlage dieser von der Psychologin Cora Besser-Siegmund entwickelten Methode sind Ergebnisse aus der Gehirnforschung, die belegen, dass wir bildhaft denken. Worte werden mit bestimmten Bildern in Verbindung gebracht, die dann in uns positive oder auch negative Emotionen hervorrufen. Mit der Magic Words-Methode können nun negativ behaftete Bilder und Emotionen in positive umgewandelt werden. Ausgewählt wird ein Stresswort. Diese wird auf ein Blatt geschrieben oder gemalt und mit entsprechend ausgewählten Farben und Assoziationen versehen. Hier ist jetzt Fantasie gefragt. Lampenfieber beispielsweise enthält die Wörter „Lampe“ und „Fieber“. Hier könnte man eine wunderschöne Lampe malen und das Wort „Fieber“ in kühlenden Farben schreiben.

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