Praxis-Tipps für einen gelungenen Auftritt

Ist die Vorbereitung zu Hause und vor Ort erledigt, kommt unweigerlich der Moment, wo es tatsächlich losgeht. Jetzt gilt es sich und dem Publikum in den ersten Sekunden einen souveränen Auftritt notfalls auch nur vorzuspielen. Denn die ersten Sekunden und Minuten entscheiden über Erfolg und Misserfolg. Der Vortragende muss Souveränität ausstrahlen, Sympathie erwecken.

Dies kann man mit den in den Blogs der letzten Wochen beschriebenen Methoden gut erreichen. Sicherer Stand, sicherer Gang, ein Lächeln auf den Lippen, die eingeübte Begrüßung und die eingeübten ersten Sätze – das alles kann bei genügender Vorbereitung auch bei Nervosität gut bewältigt werden. Beim Vortragenden löst dies die erste Erleichterung aus. Es läuft – und das gibt Sicherheit, die sich auf den weiteren Verlauf positiv auswirkt. Mit dem Publikum ist so auch eine gemeinsame Ebene geschaffen, die es einbezieht und den Eindruck hinterlässt, dass der Vortragende Kompetenz ausstrahlt und es sich lohnt, den Ausführungen zu lauschen. Ein wohlwollendes Interesse ist so geweckt worden.

Jetzt gilt es, das Publikum weiter in das Geschehen einzubeziehen. Dies wird vor allem durch Blickkontakt gelingen. Immer alle Zuhörer im Auge behalten, den Blick bis hinter die letzte Zuschauerreihe richten, Blickkontakt mit Personen suchen, bei denen man merkt, dass diese wohlgesonnen sind. Ein Tipp ist, Familienmitglieder oder Freunde einzuladen und diese dann an Stellen ins Publikum setzten, die öfters ins Blickfeld geraten. So hat man automatisch Menschen im Publikum, mit denen man Blickkontakt suchen kann. Dabei immer langsam und gut artikuliert reden, kleine Pausen beim Sprechen machen. Bei Nervosität neigt man dazu, zu schnell und ohne „Punkt und Komma“ zu sprechen. Falls es schwerfällt Pausen zu machen, die Pausenstellen im Skript markieren. Wichtig ist auch, vor allem bei frei gehaltenen Vorträgen, die Uhr im Blick zu behalten. Arme und Hände sollte man beschäftigen in dem man beispielsweise einen Stift oder Karteikarten hält. Das verhindert das übermäßige Gestikulieren mit den Händen, das hektisch oder nervös wirken kann und dass die Hände in der Hosentasche verschwinden, was gerne als Zeichen der Überheblichkeit gewertet wird und so die Sympathie des Publikums mit dem Vortragenden unter Umständen verspielt werden könnte.

Sollte mal der Faden verloren gehen, hat sich bewährt, die Situation zu überspielen: Ein Schluck Wasser zu trinken, tief durchatmen, die letzten beiden Sätze wiederholen und dann ist man meist wieder im Fluss des Geschehens. Und ganz wichtig: Zum Schluss – auch wenn man mit seiner Leistung nicht so ganz zufrieden war oder ein Missgeschick passiert ist – Strahlen übers ganze Gesicht, Zufriedenheit ausstrahlen. Kleinere Fehler werden vom Publikum kaum wahrgenommen, größere gerne auch verziehen, wenn das Große-Ganze stimmt. Allein aus dem Grunde, dass der Auftritt bewältigt wurde – ist das nicht schon allein Grund genug zu Strahlen? Für die Wirkung beim Publikum ist dies enorm wichtig: Es darf in keiner Weise zur Geltung kommen, dass der Vortragende ggf. nicht mit dem Vortrag zufrieden ist. Dann werden die Krümel gesucht und das Publikum kommt erst auf den Gedanken, etwas könnte vielleicht nicht gestimmt haben. Diese Gedanken dürfen gar nicht erst aufkommen! Einer meiner Lehrer hat mal den Satz geprägt: „Heute ist es so.“ Und dieser Satz sollte jedem Vortragenden als Merksatz für die Leistung des Auftritts gelten. Es ist vollbracht. Sicher gibt es das Eine oder Andere, was man verbessern könnte. Aber das ist intern für die eigene Nachschau interessant. Auf keinen Fall ist dies für die Öffentlichkeit bestimmt – und schon gar nicht für das Publikum, das dabei war. Also lächeln, sich für die Blumen und Komplimente bedanken – und die Kritik für sich behalten.

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