Die kreative Pause
Die kreative Pause

Die kreative Pause – deine Kraft- und Inspirationsquelle

Dieser Artikel ist die Fortsetzung meiner Gedanken zur Blogparade #MeinePause und ein tieferer Einblick auf das, was im Alltag oft zu kurz kommt: der bewusste Umgang mit verschiedenen Pausenformen.

Hier findest du alle Informationen zur Blogparade #MeinePause. https://atemsinn.ch/mikropausen/blogparade-meine-pause/

Pausen gelten oft als Unterbrechung. Doch gerade in kreativen Prozessen – beim Üben, Komponieren oder Proben – sind sie häufig der Schlüssel zu neuen Ideen.

Viele Musiker:innen kennen den Moment: Man kämpft minutenlang mit einer schwierigen Passage, geht kurz aus dem Raum – und plötzlich ist die Lösung da. Aber nicht nur Musiker:innen kennen diese Phänomen: Wenn du mal von der Tretmühle Abschied nimmst, „flattert“ die Lösung des Problems oft frei ins Haus.
Das ist kein Zufall. Pausen können gezielt als Kraft- und Inspirationsquelle genutzt werden.

Passive vs. aktive Pause

Lass uns zunächst die Unterscheidung klar definieren:

  • Passive Pausen: vollständiges Zurücklehnen, ohne Input – z. B. hinlegen, Natur betrachten, einfach den Gedanken freien Lauf lassen.
  • Aktive Pausen: ein kleiner Impuls, der Energie freisetzt oder inspiriert, ohne Leistungsdruck. Das kann ein kurzer Spaziergang, ein paar Dehnübungen oder eine freie Improvisation sein.

Beide Formen sind wertvoll. Entscheidend ist, den Pausen bewusst Raum zu geben – statt sie nur mit Ablenkungen (z. B. Handy) zu füllen.

👉 Im Artikel zur Mikropause habe ich bereits gezeigt, warum das so wichtig ist. https://www.schneppat-music.de/mikropause/

Der wissenschaftliche Hintergrund: kreatives Nachwirken

Neurowissenschaftliche Studien zeigen: Wenn wir den bewussten Fokus von einer Aufgabe wegnehmen, arbeitet unser Gehirn im Hintergrund weiter. Neue Verbindungen entstehen leichter, Ideen tauchen auf, die im Tunnelblick verborgen blieben.
Man spricht hier vom kreativen Nachwirken.

Viele kennen solche „Eureka“-Momente: beim Spazierengehen, Duschen oder kurz vorm Einschlafen.

Gerade Musiker:innen profitieren von diesem Effekt – schwierige Stellen, Interpretationsfragen oder auch das Einprägen von Strukturen gelingt nach einer Pause oft wie von selbst.

Kreative Impulse für deine Pause

Ein paar Anregungen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Dir fällt bestimmt noch die eine oder andere kreative Pausengestaltung ein 😉

  • Spaziergang
    Ein kurzer Gang an der frischen Luft wirkt Wunder. Das gleichmäßige Gehen beruhigt den Geist, die Naturgeräusche schaffen Distanz zum Übestück – und plötzlich tauchen Ideen ganz von allein auf. Selbst ein kleiner Rundgang um den Block oder ein Blick ins Grüne kann den Unterschied machen.
  • Gezieltes Musik-Hören
    Hör dir bewusst andere Werke derselben Komponistin oder desselben Komponisten an, deren Werk du gerade einstudierst. So erschließt sich dir ein tieferes Verständnis für die individuelle Klangsprache. Du wirst merken: Plötzlich hörst du neue Nuancen im eigenen Stück.
  • Improvisation ohne Ziel
    Spiele einfach frei drauflos, ohne Leistungsdruck. Es geht nicht darum, etwas „Richtiges“ zu produzieren, sondern nur um den Klang im Moment. Oft entsteht dabei ein unerwarteter Impuls, der auch ins aktuelle Repertoire einfließt.
  • Skizzen- oder Notizbuch
    Häufig entstehen in Pausen kleine Einfälle, die schnell wieder verschwinden, wenn man sie nicht festhält. Halte Melodiefragmente, Gedanken oder Bilder in einem Notizbuch fest – ein Schatz für später.
  • Entspannungsübungen
    Körper, Atem und Geist profitieren von kurzen Lockerungsübungen: Dehnen, Schulterkreisen, Atemübungen oder progressive Muskelentspannung. Besonders in Ensembleproben können solche Mini-Einheiten gemeinsam durchgeführt werden – das stärkt auch die Gruppe.
  • Mini-Bewegung
    Eine kurze Tanzbewegung, Rhythmusklopfen oder ein paar Runden schnelles Gehen – notfalls auf der Stelle möglichst bei geöffnetem Fenster – bringen den Kreislauf in Schwung. Kleiner Anlass, große Wirkung – gerade wenn die Konzentration sinkt.
  • Tagträumen
    Bewusst nichts tun und den Gedanken freien Lauf lassen. Statt das Handy in die Hand zu nehmen, einfach in den Himmel schauen oder die Augen schließen. Oft taucht genau dann eine kreative Lösung auf.

    Bezug zur Musikerpraxis

    Kreative Pausen sind mehr als eine Unterbrechung – sie sind Teil des Übeprozesses.

    Typische Situationen:

    • Technisch schwierige Passagen
      Man verbeißt sich in einer Stelle, der Körper verkrampft. Eine kurze Pause lockert die Muskeln und beruhigt den Kopf. Danach läuft es oft leichter.
    • Interpretationsfragen
      Wie gestalte ich diese Phrase? Wie setze ich die Dynamik um? Eine Pause bringt Abstand – und eröffnet die Möglichkeit, die Passage frisch und mit neuer Inspiration anzugehen.
    • Ensembleproben
      Stundenlanges Proben und Durchspielen erschöpft nicht nur den Körper, sondern auch das musikalische Miteinander. Kleine Atem- oder Dehnpausen zwischendurch fördern Konzentration, Spielfreude und Teamgeist.

    Kreative Pausen machen also nicht „langsamer“, sondern steigern die Effizienz – weil sie dich in deinem Tun wieder klarer und präsenter machen.

    Tipps für bewusste kreative Pausen

    Hier die 4 wichtigsten Tipps, damit du maximal von deiner kreativen Pause profitierst:

    • Kein Handy
      Sonst wird die Pause zur Ablenkung. Warum das kontraproduktiv ist, habe ich ausführlicher im Artikel zur Mikropause beschrieben. Hier der Link: 👉  https://www.schneppat-music.de/mikropause/
    • Pausen bewusst planen
      Mache deine Pause nicht nur dann, wenn du völlig erschöpft bist. Lege deine Pausen gezielt fest. Besonders hilfreich: der sogenannte BRAC-Rhythmus (Basic Rest-Activity Cycle). Unser Körper arbeitet in Zyklen von etwa 90 Minuten. Danach sinkt die Leistungsfähigkeit automatisch ab. Nutze diesen Rhythmus, um rechtzeitig Pausen einzubauen – bevor du an deine Grenzen kommst (→ siehe auch Artikel Kurze Pausen).
    • Kleine Rituale entwickeln
      z.B. eine Tasse Tee, ein bestimmter Spazierweg, ein Atemritual. Rituale signalisieren dem Körper: Jetzt ist Pause. Das erleichtert den Einstieg.
    • Vertrauen
      Vertraue darauf: Pausen sind kein Stillstand, sondern ein kreativer Booster. Je mehr du es zulässt, desto leichter wird es.

    Fazit: Die kreative Pause schafft Mehrwert

    Die kreative Pause ist mehr als ein kurzer Stopp. Sie ist eine Quelle für neue Ideen, frische Energie und tiefere Ausdruckskraft.
    Sie hilft dir, Stress abzubauen – und gleichzeitig dein musikalisches Potenzial zu entfalten.

    👉 Probiere es diese Woche mal aus: Gönn dir eine Pause, die dich nicht ablenkt, sondern inspiriert.

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