Komponistinnen vorgestellt: Rosy Wertheim
Rosy Wertheim
Rosy Wertheim

Rosy Wertheim

(* 19. Febr. 1888 in Amsterdam / Niederlande; † 27. Mai 1949 in Laren / Niederlande)

Rosy Wertheim gilt als eine der erste namhaften weiblichen Komponistinnen der Niederlande. Obwohl sie vor allem in den 1930er Jahren große Erfolge feierte, sind ihre Werke heute kaum bekannt und wissenschaftlich untersucht.

Leben

Rosi Wertheims Leben war schon früh von der Musik geprägt. Als Tochter einer wohlhabenden jüdischen Familie in Amsterdam bekam sie in jungen Jahren Unterricht in Klavier und Komposition.

Nach ihrem Abitur widmete sie sich ganz der Musik. Zunächst durch ein Klavierstudium mit Diplom-Abschluss 1912 an der Koninklijke Nederlandse Toonkunstenaars Vereniging in Amsterdam bei Ulfert Schulz.

Kompositionsstudium und Musiklehrerin

Doch auch die Komposition reizte sie, so dass sie im Anschluss ein Kompositionsstudium bei Bernhard Zweers und Sem Dresden begann. Komposition war Anfang der 20. Jahrhunderts in den Niederlanden noch eine reine Männerdomäne. So wurde Rosy Wertheim zu einer der ersten niederländischen Komponistinnen überhaupt.

Nach ihrem Studium Anfang der 1920er Jahre begann ihre Zeit als Musiklehrerin am Amsterdamer Muzieklyceum. Ihre Fächer waren Klavier und Musiklehre. Darüber hinaus engagierte sie sich stark sozial. Sie leitete einige Chöre, unter anderem auch einen Chor, der aus „Inselkindern“ bestand. Diese stammten alle aus den armen Wohnvierteln Amsterdams.

Zeit im Ausland: Paris und USA

1929 kehre sie Amsterdam den Rücken. Sie zog für 6 Jahre nach Paris und widmete sich ganz dem Komponieren. Ihre Ausbildung setzte sie weiter fort und nahm Kompositionsunterricht bei Louis Aubert. In dieser Zeit wandelten sich die Einflüsse auf ihre Werke von der Romantik hin zum Impressionismus. In Paris baute sich Rosy Wertheim auch einen Freundeskreis aus vielen Musikern und Komponisten auf. Darunter waren Jacques Ibert, André Jolivet, Olivier Messiaen und Darius Milhaud und die französische Komponistin Elsa Barraine.

Sie entschloss sich, 1935 Kontrapunkt bei Karl Weigl in Wien zu studieren. Anschließend ging sie für ein Jahr in die USA. Hier wurden ihre Werke sehr gut angenommen. Sie wurde in das Programm des Composers’ Forum Laboratory aufgenommen und als Komponistin besonders gefördert. Ihre Stücke wurden unter anderem in New York, Philadelphia und Washington aufgeführt.

Engagement für zeitgenössische Musik

1937 kehrte sie dann in ihre Heimat Amsterdam zurück. Hier war die Musikszene vorwiegend konservativ geprägt. Doch Rosy Wertheim wollte die Verbreitung zeitgenössischer Musik in den Niederlanden fördern. Sie war Teil der neu gegründeten Vereeniging voor Hedendaagse Muziek und Veranstalterin zahlreicher Hauskonzerte.

Die Komponistin befand sich mit 52 Jahren am schöpferischen Höhepunkt, als 1940 die Deutschen die Niederlande besetzten. Sie hatte fast 100 Werke komponiert, die oft und gerne aufgeführt und zum Teil auch gedruckt wurden. Doch musste sie 1943 selbst untertauchen, was ihr sehr schwer viel. Sie komponierte ab dieser Zeit nur sehr wenig. Zunächst versteckte sie sich bei ihrem Cousin, floh aber dann weiter nach Laren. Dort hielt sich bis zur Befreiung durch die Alliierten 1945 weiter versteckt.

Die Kriegsjahre als Zesur

Der Krieg war ein tiefer Einschnitt in Rosy Wertheims Schaffen. Er führte dazu, dass ihre Werke mehr und mehr vergessen wurden. Sie selbst sagte in einem Interview:

„Während des Krieges fanden in diesem Land noch Aufführungen meiner Kompositionen statt, bei denen ich natürlich nicht anwesend sein konnte, auch in Amerika wurde ich gespielt. Die Deutschen haben meinen ganzen Besitz und alle meine Bücher geraubt – aber nun sind sie weg und ich versuche von meinem Leben in Ordnung zu bringen, was davon noch übrig geblieben ist.“

Rosy Wertheim 1948 in einem Interview mit Kate de Ridder in „De vrouw en haar huis“, 1948, S. 254. Mathias Lehmann/Sophie Fetthauer

Rosy Wertheim blieb nach dem Krieg in Laren und arbeitete wieder als Musiklehrerin. Sie bemühte sich – leider größtenteils erfolglos – darum, dass ihre Werke wieder aufgeführt werden. 1947 erkrankte sie an Krebs und starb 1949 nach zwei Jahren an ihrer Erkrankung.

Werke

Ihr 1933 komponierte Streichkonzert sowie das Klavierkonzert von 1940 waren ihre wohl größten Erfolge. Auch viele Chorwerke, Lieder, Kammer- und Orchestermusik zählten zu ihren Kompositionen. Besonders populär in den Niederlanden ist das Lied „Neutraal“ von 1914.

Während sie vor dem Krieg große Erfolge feierte, gerieten Rosy Wertheims Werke nach dem Krieg immer mehr in Vergessenheit. Bis heute findet man nur wenige Artikel und Arbeiten über ihr künstlerisches Schaffen.

Stil

„Auf Dauer fühlte ich mich mehr angezogen von neueren Klängen und Klangfarben und variierten Rhythmen. Debussy, Ravel und später Strawinsky waren eine Offenbarung für mich, und natürlich wurden meine Kompositionen damals für einen gewissen Zeitraum von ihnen beeinflusst.“

De Ridder 1948, S. 253

Rosy Wertheims Musik ist am Anfang von der Romantik geprägt. Ab 1933 wird sie durch ihr Kompositionsstudium in Paris klar vom Impressionismus beeinflusst. Doch den Stil ihrer Vorbilder Debussy, Ravel und Strawinsky übernahm sie nicht nur. Sondern modifizierte ihn und entwickelte ihre ganz eigene, individuelle Klangsprache.

„Trois Morceaux“ für Flöte und Klavier

In unserem Programm La Flûte Femme spielen wir das 1939 komponierte Stück „Troix Morceaux“ für Flöte und Klavier. Es entstand in der Zeit als die Komponistin gerade aus den USA zurück nach Amsterdam kehrte. Die drei Sätze haben bildhafte Namen: „Zug der Marionetten“, „Pastorale“ und „Capriccio“ lassen so durch ihre Bezeichnung direkt auf den Klang des Stückes schließen.

Quellen:

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